Übersicht Band I
Brief-Nr 1,105
Seite 1,227-232
Datum [18.08.1756]
Ort [Königsberg]
an Lindner, Johann Gotthelf
von Hamann, Johann Georg
Kommentar
227,8 Journal epistolaire: nicht ermittelt, welches.
10 In dem ersteren: nämlich 1. Teil der Melanges; Briefe über die Empfindungen: 226,5.
18 Er: Mendelssohn; Leßings Vertheidigung seines Lustspiels, nämlich Die Juden, zuerst im 4. Teil seiner Schrifften 1754 erschienen, in: G. E. Lessing, Theatralische Bibliothek, Erstes Stück, Berlin 1754, S. 279-291.
20f. Pope ein Metaphysiker!: auf der letzten Seite der Melanges von 1756 ist zu lesen: On attribue à M. Lessing un petit ouvrage allemand, qui a pour titre, Pope le Metaphysicien, il semble que l'auteur ait eu le dessein d'écrire pour le prix proposé par l'Academie.
22 Ihre Recens.: ihre, nämlich die Rezension der Melanges littéraires.
27 Aufgabe: der Académie Royale des Sciences et Belles-Lettres in Berlin (seit 1740 Nachfolgerin der Preußischen Sozietät der Wissenschaften). Jene hatte im Juni 1753 eine philosophische Preisaufgabe gestellt, mit Einsendungsfrist bis zum 1. Januar 1755: On demande l'examen du système de Pope contenu dans la proposition: Tout est bien. Il s'agit: 1. De déterminer le vrai sens de cette proposition, conformément à l'hypothèse de son auteur. 2. De la comparer avec le système de l'optimisme, ou du choix du meilleur, pour en marquer exactement les rapports et les différences. 3. Enfin d'alléguer les raisons qu'on croira les plus propres à établir ou à détruire ce système. So im Sitzungsbericht vom 7. Juni 1753. Die Tendenz der Preisaufgabe war deutlich: in kritischer Analyse von Alexander Popes Essay on man (erster Brief 1733, die weiteren drei 1733/34) den vermeintlichen Optimismus Leibniz', wie es seine Essais zur Théodicée, 1710 und spätere Auflagen, vor allem die Essais de Théodicée sur la bonté de Dieu, la liberté de l'homme, et l'origine du mal, Amsterdam 1734 -sowie seines Schülers Christian Wolff zu widerlegen. Diese gegen Leibniz, den Gründer der ersten preußischen Akademie, gewendete polemische Absicht des neuen Akademiepräsidenten Maupertuis hatten bereits die vorhergehenden Preisaufgaben von 1747 und 1751 deutlich werden lassen.
28 zwey Verfasser: die Schrift erschien anonym 1755 in Danzig. Lessing und Mendelssohn hatten zunächst die Absicht, ihre Schrift der Akademie einzureichen (vgl. den Br. Lessings an Mendelssohn vom 18. Febr. 1755). In ihrem Vorbericht hieß es: Sie [die Schrift] hat zwei Verfasser, und hätte daher unter keinem andern Sinnspruche erscheinen können, als unter diesem: Compulerant --greges Corydon et Thyrsis in unum. Gesetzt nun, sie wäre gekrönt worden! Was für Streitigkeit würde unter den Urhebern entstanden sein! Und diese wollten gerne keine unter sich haben. Mit dem Vergilzitat wird die Bedingung der Akademie, die Arbeiten unter einem Sinnspruch einzureichen, persifliert. Im Vorbericht folgt dann die Übersetzung der Aufgabe ins Deutsche.
34f. Stelle des Pope: aus einem (wohl von Lessing am Schluß der Schrift übersetzten und in einer Fußnote original zitierten) Brief vom 15. 9. 1734 an Swift: I have only one piece of mercy to beg of you; do not laugh at my gravity, but permit to me to wear the beard of a Philosopher till I pull it off and make a jest of myself. H. zitiert (227-228,3) Lessings polemische Pointe nahezu wörtlich.
228,22 Lies geht es ihn [an], was die Gottschede sagen: Lessing/ Mendelssohn hatten am Ende ihres Zweiten Abschnitts die Differenz der Systeme Popes und Leibniz' behauptet: Verdient nun aber Pope diese Benennung [Leibnizianer] durchaus nicht, so wird auch notwendig die Prüfung seiner Sätze etwas ganz anders, als eine Bestreitung des Leibnizischen Systems von der besten Welt sein. Die Gottschede sagen, sie werde daher auch etwas ganz anders sein, als die Akademie gewünscht habe, daß sie werden möchte. Doch was geht es mich an was die Gottschede sagen; ich werde sie demohngeachtet unternehmen. Gottsched, der 1746 zum 100. Geburtstag Leibniz' dessen Werke neu edierte, hatte zuerst auf die antileibnizische Tendenz der Berliner Preisaufgabe aufmerksam gemacht, und zwar im Titel seiner auf den 1. Advent 1753 datierten Einladung zur Magisterpromotion De optimismi macula diserte nuper Alexandro Popio Angelo, tacite autem G. G. Leibnizio, perperam licet, inusta.
27 des Kings Buch: William K.
28 Textverlust; Cynegeticon: des Faliskers Grattius oder des Oppianos aus Apameia.
30f. it.[em]; Uebersetzung vom Horatz: um welche zweisprachige (Das latein. richt. über) welchen Staatsmannes es sich handelt, nicht ermittelt. ??
31 Romanzen v Fabeln: es waren 1756 in Berlin/Leipzig von Gleim sowohl Romanzen wie Berlin 1756 Fabeln erschienen. Deren Sammlung: Lieder, Fabeln und Romanzen erschien erst 1758.
229,1ff. Schrifften des Schwifts: übers. v. J. H. Waser; Horribilicribrifax vom [lies von] Schwätzer, womit H. die Qualität des Übersetzers charakterisiert; Geschichte <...> Tuchhändlers: IN EINER SWIFTAUSGABE NACHSEHEN 333,13; 355,10ff. ??
4 Fable des abeilles: von Mandeville, Bernard de; l'art d'aimer: par Mr. Bernard, London 1751.
5 Gedicht des V.: möglicherweise die Ausgabe von Voltaires La Religion naturelle. Poème en quatre Parties. Au Roi des Prusse, par M. V ***, die A Genève [recte: Paris] 1756 erschienen war; oder eine in Lpz. 1751 erschienene.
7 Arnauld: François-Thomas-Marie de Baculard de Arnaud, Oeuvres diverses de M. d'Arnaud.
14 Coligny: Coligni, ou la St. Barthelemi, tragédie.
18 Der Autor: vielleicht Anspielung auf d'Arnauds Dissertation historique sur les ouvrages de M. de Voltaire <...>, 1750; oder seine Lettre à Monsieur l'abbé Phi***[Philippe] au sujet des tragédies de M. de Voltaire <...>, La Haye 1736.
20 Phalereus: vermutlich Phalaris, der Tyrann von Akragas (570-554), der bekanntlich seine Feinde im erhitzten Bauch eines ehernen Stieres zu Tode röstete (Pindar, Pythien 1, 185). Dieses Folterinstrument wurde nach dem Sturz des Tyrannen von den Athenern im Meer versenkt.
21 La nuit <...> de Cythere: von Claude Prosper Jolyot Crébillon fils.
27 Melanges: 227,4.
230,7 Ebert: Johann Arnold E., vor allem als Übersetzer Youngs bekannt.
10 ausgewunden: getilgt.
11 Gemeint ist: wenn Lindner das einzige Exemplar des Dangeuil, das H. habe nach Riga schicken können (vermutlich an Berens), gelesen habe, möge er zugleich mit dem erwarteten Urteil Berens' das seine mitteilen.
13 an P.[etersen]. Textverlust vermutlich wegen Derbheiten.
14f. Orphelin de la Chine: von Voltaire, 205,25.
16 HE Bruder: Ehregott Friedrich; Er: Petersen, von dem auch des weiteren die Rede ist.
21 nicht mit gewesen: gemeint ist: bewußt.
23 Jacobi: nicht ermittelt; Brown christian Morals: Sir Thomas Browne.
25 Denkmal: zum Gedächtnis seiner Mutter, N II,233ff.
33 Büffon über den Tod: Herrn von Buffons allgemeine Naturgeschichte beschreibt die Natur des Menschen, seine Mannbarkeit, Alter und Tod.
231,2 letzten Briefe: nicht überliefert.
4 HE. Bruder Gottlob Immanuel, 224,24ff.
7f. außer Landes zu bringen: auf Reisen zu gehen.
28 Textverlust, etwa so zu heilen: Kgsb ist ge[genwärtig] ganz todt; Fr.[eund] H[enning]s ist [wol installirt v Secr.[etarius].
232,1 Aufbruch: zur Reise nach London.
6 Radke: Georg Christoph Radicke.
7 Schlabberndorf: Gustav Albrecht Schlabrendorff; sein Bruder: offenbar ist die Rede von einem Bruder Schlabrendorffs.
8 hiesigen Emigranten: die aus Salzburg durch den Erlaß des Erzbischofs vom 31. Oktober 1731 vertriebenen Protestanten bez. Calvinisten. Vgl. J. G. Bock, Wohlgemeinter Zuruff an die Salzburgischen Emigranten bey ihrer Ankunft zu Königsberg in Preussen 1732.
19 gebischofft: Bischof, d. h. Punsch getrunken.
26f. Vernet: wahrscheinlich die Dialogues socratiques des Jean Jacques V.; Mit <...> werden Sie nicht mehr: eine nicht zu ermittelnde Jugendliebe, von der Lindner wohl berichtet hatte, sie sei gestorben; parentirt: die Grabrede gehalten.
31 Bernis: 207,12; 229,10; wohl die Oeuvres.