Übersicht Band I
Brief-Nr 1,107
Seite 1,234-236
Datum 14.01.1758
Ort Londres [London]
an Senel
von Hamann, Johann Georg
Kommentar H. ist, nach mühseliger Reise (vgl. seine Gedanken über meinenLebenslauf, S. 336) in Harwich gelandet und erreicht London am Montag, dem 18. April 1757. Der geschäftliche Auftrag des Berens'schen Handelshauses, das offenbar dort bereit seine Niederlassung besaß, ist ungeklärt; H. ergeht sich in Umschreibungen; er wurde erwartet, in den Gedanken <...>,S. 337, bezeichnet er seine Angelegenheiten als von Wichtigkeit; bezeugt ist, daß er dem russischen Gesandten ein Mémorial (ebda) zu überbringen hatte, wobei anzunehmenist, daß dieser gewisse Interessen des Handelshauses Berens vertreten sollte, dessen Sitz Riga ja unter russischer Herrschaft stand. Auch aus Hs vagen Beschreibungen seiner Erfolglosigkeit geht hervor, daß seine Mission politische Risiken einschloß. So fällt sein Interesse an den für ausländische Firmen relevanten handelsrechtlichen Fragen auf, wie es die in der Biga dokumentierten Käufe einschlägiger englischer Bücher zeigen. Ebenso ungeklärt sind viele Lebensdetails von Hs zwanzig Monate dauerndem Londoner Aufenthalt; seine autobiographischen Zeugnisse kommen aus der Perspektive der radikalen Bußgesinnung der Gedanken über meinen Lebenslauf; vgl. dazu Jörg-Ulrich Fechners Ermittlungen. Sie erschließen viele Details aus dem Londoner gesellschaftlichen Umfeld Hs, auch seiner Studien, wofür die ebenfalls in der Biga aufgeführten, in London erworbenen Werke zeugen;sowie Einzelheiten der Lebenskrise, sein Verhältnis zu den deutschen Herrnhutern in England und der in diesem Umkreis derdeutschen Kirchengemeinde sich vollziehenden, entschiedenen Selbstbegründung im Glauben. Der häufig als Bekehrung benannte Vorgang darf freilich nicht die innere Vorgeschichte und überhaupt den christlichen Horizont seiner Sozialisation vergessen machen.Von Hs Briefwechsel während des Londoner Aufenthalts (mit der Familie und mit der Familie Berens) hat sich nichts erhalten(414,30). Überliefert sind drei Briefentwürfe, die er wohl aufbewahrte als Dokumente seiner schuld-und schuldenbelasteten Erfahrungen in der Londoner Halbwelt wie auch als Folie seinerLebenswende als biblisch gegründeter <ga>metanoia. Aus dem gesuchten, das Preziöse wie den Argot einbeziehenden, dabei fehlerbehafteten Französisch dieser Briefe wird im Folgenden nur emendiert und erläutert, was zum Verstehen unerläßlich ist.
234,31 Senel: weder der Name noch seine Identität ist bewiesen; er gab sich <...> für einen deutschen Baron von Pournoaille aus, hatte eine Schwester in London, die <...> vermuthlich von dem Russisch[en] Abgesandt[en] unterhalt[en] ward und unter dem Namen einer Frau von Perl einen Sohn hatte, Gedanken <...>, S. 339; vielleicht aber, vgl. Fechner, S. 13, ist es der wohlhabende Hugenotte Leonard Sené, den H., obwohl er ihm französisch schreibt, für einen englischen Staatsbürger hält, 235,2, und den er leidenschaftlich warnen zu müssen glaubt vor einem falschen Freund oder Schützling.
235,17ff. Dryden:??
27 echalassé: bepfählt.
236,14 cettre: verschrieben für cette.
15 Hamlet: zur Königin, II,4, Verse 150-156; Lies dans une Situation.
23 infinée: infinie.