Übersicht Band I
Brief-Nr 1,163
Seite 1,424-431
Datum 12.10.1759
Ort Königsberg
an Lindner, Johann Gotthelf
von Hamann, Johann Georg
Kommentar
424,30ff. Seine Strafe: 10. Strophe aus dem Lied Paul Gerhardts: Sollt ich meinem Gott nicht singen.
425,3 Jungfer Braut <...> Bräutigam: Lindners Schwester, die George Steinkopf heiratete.
10 muckern darf: sich spröde zu verhalten braucht, keinen Muck zu sagen.
20f. Magister Weymann: Daniel W., der in der Disputation sein Dissertationsthema zu verteidigen hatte. Seine Kant-Gegnerschaft zeigte er auch mit seiner 1763 bei Kanter in Königsberg gedruckten Schrift Bedenklichkeiten über Kants Beweis des Daseyn [sic] Gottes, die auf Kants im selben Jahr (ebenfalls bei Kanter) erschienene Schrift Der einzig mögliche Beweisgrund zu einer Demonstration des Daseins Gottes antwortet.
24f. Magister Kant <...> Einladungsschrift: Versuch einiger Betrachtungen über den Optimismus: Vorlesungsankündigung vom 7. Oktober 1759, gedruckt bei J. Fr. Driest; 429,13; 452,31ff.
28 blinde Jungen: nach dem Sprichwort: canis festinans parit caecos catulos: eiliger Hund gebiert blinde Hündchen.
30 das Gantze: 429,13 und 452,32.
31 Stückwerk: 1 Ko 13,9.
36 Meynst du: ad personam Kants.
426,3 Seelmeßer: Psychologe.
6f. am inwendigen Menschen <...> Ohr hört: Rö 7,22; Eph 3,16; 1 Ko 2,9.
14 Maillard: Paul Desforges-Maillard.
18 Rollin: nicht ermittelt.
20 Erinnerungen an eine Freundin: von Chr. M. Wieland. Ein langes, reimloses Gedicht aus elfsilbigen Versen, in dem einer Freundin (höchstwahrscheinlich Sophie Gutermann, die bald darauf G. M. von La Roche heiratete) in der Vergleichung mit Frauengestalten aus antiken und neueren Dichtungen gehuldigt wird. Es entstand 1753 und wurde wohl sogleich gedruckt, wie den Briefen Bodmers, in dessen Zürcher Haus Wieland damals lebte, an J. G. Sulzer und Zellweger zu entnehmen ist. Zum Text: Sämmtliche Werke, XIV, Supplemente 4, Lpz. 1798, S. 5-18 (hier allerdings auf 1754 datiert).
21 Brief des Rousseau: Lettre de M. Jean Rousseau à M. de Voltaire le 18 aout 1756. Es ist die kritische Antwort Rousseaus auf die Zusendung von Voltaires Poème sur le Désastre de Lisbonne (1755) (197,31) und des Gedichts über die Loi naturelle. Der Brief wurde, nachdem er öfter in Kopien verbreitet worden war, 1759 zuerst gedruckt; sieben weitere Drucke sind im 18. Jh. nachweisbar; vgl. Correspondance complète de Jean Jacques Rousseau. Edition critique établie et annotée par R. A. Leigh. Institut et Musée Voltaire, Les Délices, Genève 1967, S. 37-50. [Br. 424]; auch 452,1.
24 die Lisbonner: von Lieberkühn, 403,28;
2 Gedichte auf Gottsched: nicht ermittelt.
26 Insel der Pucklichten: von Lieberkühn, 403,28.
35 gegeckt: zum besten gehalten, verhöhnt.
427,1 Die Stelle des Cicero: Olivet.
4 franzosische Anmerkung: nicht ermittelt.
7 Buchdruckerkunst: das Witzspiel geht auf den Namen des römischen Autors und die Schriftart CICERO, mit 12 typographischen Punkten. Sie erhielt angeblich diesen Namen, weil Peter Schöffer im Jahre 1466 die Briefe Ciceros in dieser Drucktype gesetzt habe; nach anderer Überlieferung waren es die Drucker Sweynheim und Pannartz.
8 petite lettre: 411,32; 421,1; Streit: wegen der Ähnlichkeit der Episteln.
10 Wie liesest Du?: Lk 10,26; Apg 8,30.
13 Controversienschreiber: als ob H. das nicht in den vorhergehenden Briefen ausgiebig gewesen wäre!
17 wie die Gesandten: 1 Kö 20,31ff.
27 die Hungrigen: Lk 1,53, Worte des Magnificat Marias.
31 Paulus: 1 Ko 14,32.
35 ein Knecht des Herrn: Johann Reichard Pittius, seit 1742 Prediger an der deutschen lutherischen Marienkirche im Savoy-Palast.
36 Iß dein Brot: Pr 9,7.
428,4 Ich muß in dem sein: Lk 2,49.
7 Beruf: Mt 20,16 u. ö.
9 Bißen: die biblische Vokabel als Metapher.
10 Scaevola: der legendäre römische Held Gaius Mucius, der im Krieg gegen den Etruskerkönig Porsena (507 v. Chr.) diesen in seinem Lager zu erdolchen suchte, ihn verfehlte, dafür seinen Schreiber tötete und beim Verhör als Beweis für seine unbedingte Vaterlandsliebe seine rechte Hand in der Flamme des Altars verbrennen ließ, worauf er entlassen wurde; Liv. 2,12,9; Cic. Sest. 48 u. a.
11 und hätte der Liebe nicht: 1 Ko 13,3.
14 ein Gibeoniter: Jos 9,3ff.; 2 Sam 21,4ff.
16 Disteln und Dornen: 1 Mo 3,18; Pr 24,31.
21 Herz ohne Leidenschaften: Aesthetica in nuce, N II,208f.
28 Das Saltz: Mt 5,13.
30 christlicher Sokrates: wie etwa Erasmus von Rotterdam ihn sah.
35 Idiot: etwa P rivatmann, Laie.
36 Gespräch mit Alcibiades: unter Platos beiden gleichnamigen (wohl unechten) Dialogen handelt es sich in der Übersetzung eines Anonymus Platos lehrreiche Gespräche von der menschlichen Natur, Glogau und Leipzig 1755, wohl um den Dialog Alcibiades der Zweite, 353,9ff.
37 Prahlhans: gemeint ist wohl Voltaire, wegen der Anspielung auf die esprits forts, als die Kritiker der biblischen Botschaft und ihrer Überlieferung.
429,3 Für ein: Vor einem solch Gerücht<...>: Anspielung auf einen Vers?
5 Präbenden: Pfründen, Stiftsstellen.
6 Nabaliten und Abimelechs: 1 Sam,25; 1 Mo 21,22-34; 26,7-11; Ri 9.
7 Weymans non optimus: nämlich mundus; Kantens Optimismus: 425,25.
10f. zweyschneidig Schwert: Heb 4,12, (Off 1,16; 19,15).
12 zur Rechten und zur Linken: 2 Ko 6,7.
13 mit dem Magister Kant: was H. im Brief 170 zu tun versucht, der einige der hier vorgebrachten Gedanken wiederholen und präzisieren wird.
15ff. Cento aus 1 Ko 3,2 (Kinder); Mt 23,24 (Kamele zu verschlucken<...>,[451,17]); Mt 19,24 (Kamel <...> Nadelöhr); Jh 9,40; 1 Jh 2,11 (blinde Menschen); 1 Ko 12,10 (Wunder zu schaffen); Sir 19,4 (Leichtsinn); Apg 3,17; 17,30 (Unwissenheit); Mi 6,8 (Dir gesagt Mensch!); 1 Jh passim [verstehen ...; glauben; <...> Liebe üben]; Rö 8,33 (die Auserwählten); Mi 6,8 (demüthig seyn vor deinem Gott); 2 Mo 2,5ff. (dessen Tochter mich erzogen); 2 Mo 8-10; 12 (Blut, Hagel, Feuer <...>); 1 Sam 25,10 (Knechte ihren Herrn entlaufen).
430,1 Mensch ein Federloser Hahn: Anspielung auf eine antike Plato-Anekdote, die Diogenes Laertius (6,40 (ed. Long: 2,264,10-114)) überliefert, vgl. Riginos). In den pseudoplatonischen definitiones [415 A] sei der Mensch als zweibeiniges, federloses Lebewesen bestimmt worden. Der Zyniker Diogenes habe einen Hahn gerupft und ihn in der platonischen Philosophen-Schule vorgezeigt mit den Worten, dies sei der Mensch des Plato, worauf dieser seiner Definition das Wort <ga>platyvnyxow [breithufig] hinzugefügt habe. Vgl. auch die ironische Einteilung der Zweibeiner durch den Fremden, den Gesprächspartner Sokrates' d. J., in eine nackte und eine gefiederte Spezies, wie sie in Platos Dialog <ga>politikvw (Der Staatsmann) 267 A begegnet.
3ff. Cento aus Phl 1,18; Apg 1,24; 15,8; Mt 6,4; 10,25; Rm 2,16 (Christus gepredigt wird <...> Herzenskündiger <...> ans Licht bringen); Mal 3,5 (schnellen Zeugen); 1 Ti 4,7f. (Gottseeligkeit); Mt 13,10ff. (so viel Parabeln); Jh 10,31ff. (Gotteslästerer) [mitgemeint wohl auch das Geschick des Stephanus, Apg 7]; Hi 22,2 (Gott nützen); Sir 18,9ff.; Rö 2,4; 15,5; Pt 3,20; 3,9 (Gedult des Herren); Jh 20,14; Rö 2,4 (treuen Gärtners <...> Reichtum seiner Güte); Mt 12,42 (Scherben einer Witwe); Ps 50,5; ((Hos 6,6); Mt 9,13; 12,7) (Bund <...> Opfer).
23 Wellen meines Stoltzes <...> Spreu vom Wirbelwinde: Hi 38,11; 21,18; Jes 40,24.
36 Nachrichten: wahrscheinlich über den Bruder.
431,11 Saltzsäule: Wsh 10,7.
12 neuen Menschen: Eph 2,15; 4,24; (2 Ko 5,17); der Geist Gottes: 2 Ko 3,17.
13 die Wahrheit: Jh 8,32.
14 Harnisch: Eph 6,15; (1 Th 5,8); Mäcänas: Sen. epist. 114,4-6 (solutis tunicis discinctus).
16 Schwager: Steinkopf, 425,3.
20 Engel des Lichts: 2 Ko 11,14.'
26 romanische Dialogen: romanhafte Dialoge, s. u.; Abweichungen Ihrer Theorie: die Lindner wohl zunächst in seiner Anweisung zur guten Schreibart überhaupt <...> formuliert hatte; im Vierten Hauptstück: Von der Schreibart selbst und ihren Arten, wo unter § 166 Die Romanen abgehandelt werden, unter § 167 Die dialogische Schreibart; für diese gibt er Beispiele aus Lukian und Fontenelle.
33 Freund in petto: im Sinn, in Gedanken.